Führung überdenken, Vertrauen leben und andere zu Höchstleistung führen

Management-Vordenker Reinhard K. Sprenger über alte Sichtweisen und neue Führungsmodelle
Die Financial Times Deutschland nannte ihn „Deutschlands einzigen Management-Guru, der diesen Titel wirklich verdient“. Der promovierte Philosoph, Buchautor und renommierte Management- Vordenker Reinhard K. Sprenger hat sich intensiv mit moderner Unternehmensführung beschäftigt. Was sollten Manager künftig beachten und welche Rolle spielt Technologie für die Führungskultur? Der Insider hat mit Reinhard K. Sprenger gesprochen.

Insider: Herr Sprenger, in Ihrem jüngsten Werk „Radikal führen“ fordern Sie Führungskräfte auf, sich auf Kernaufgaben zu konzentrieren. Welche sind das?

Reinhard K. Sprenger: Zunächst geht es darum, das Überleben des Unternehmens zu sichern. Das ist wohl die konzentrierteste Antwort. Doch hierzu muss mindestens eine Voraussetzung erfüllt sein: Die Führungskraft muss mehr leisten, als sie kostet. Anders formuliert, sie muss mehr „geben“ als „nehmen“. Man darf bezweifeln, ob dieser Grundsatz überall befolgt wird. Sodann ist das Kerngeschäft zu erledigen. Das heißt Zusammenarbeit organisieren, Transaktionskosten senken, Zielkonflikte entscheiden, Zukunftsfähigkeit sichern und natürlich Mitarbeiter führen.

Insider: Welche Fähigkeiten muss eine gute Führungskraft besitzen?

Reinhard K. Sprenger: Vertrauensfähigkeit zieht sich als allesentscheidende Führungsvoraussetzung wie ein roter Faden quer durch alle Kernaufgaben. Keine Führungskraft kann Menschen beeinflussen, wenn ihr nicht vertraut wird. Forschungen zeigen: Menschen sind bereit, einem Menschen zu folgen, wenn sie ihm vertrauen – selbst dann, wenn sie seine Ansichten nicht teilen. Sie folgen jedoch nicht, wenn sie zwar die Ansichten teilen, dem Menschen aber nicht vertrauen. Die Beziehung bekommt dann ein Minus, alles verkehrt sich ins Gegenteil. Selbst die hochherzigste Geste wird negativ gedeutet, sodass keine Maßnahme mehr greift. Wenn eine Führungskraft das Vertrauen seiner Mitarbeiter verliert, hat sie keine Existenzberechtigung mehr – jedenfalls nicht als Führungskraft.

Insider: Welchen Stellenwert messen Sie der Zusammenarbeit im Unternehmen bei?

Reinhard K. Sprenger: Warum gibt es überhaupt Unternehmen? – Die wichtigste Antwort lautet: Weil es Aufgaben gibt, die man nur zusammen bewältigen kann, den Einzelnen aber überfordern. Wenn ein Einzelner eine Aufgabe bewältigen kann, sollte er es tun – zumindest aus ökonomischen Gründen. Das ist der Kern: Unternehmen sind um die Idee der Zusammenarbeit herumgebaut. Unternehmen sind vorrangig Kooperations-Arenen. Ein Manager kann nie alleine handeln. Und der leistungsfähigste Chef an der Unternehmensspitze kann ohne die Zuarbeit hervorragender Fach- und Führungskräfte nicht erfolgreich sein. Seine zentrale Fähigkeit ist es, Zusammenarbeit „herbeizuführen“, die sich von alleine nicht ergibt. Er gewinnt andere für ein Miteinander und entwickelt sie in einem zweiten Bewusstseinsschritt zu einem Füreinander. Verbinden, um zu stärken – darum geht es.

Insider: Wie beeinflussen technologische Innovationen, etwa für die Zusammenarbeit und das teilen von Information, das Unternehmensund Managementklima?

Reinhard K. Sprenger: Im Kern macht Informationstechnologie Unternehmen demokratischer. Das sollte man nicht missverstehen. Unternehmen sind keine Veranstaltungen, in den Mehrheiten über Minderheiten bestimmen. Doch die machtstützende Oligopolisierung von Informationen wird von den Informationstechnologien unterlaufen. Das macht Unternehmensführung schwieriger, weil paramilitärische Denkmuster nicht mehr greifen. Das macht Unternehmensführung aber auch leichter, weil viel mehr Mitarbeiter selbstverantwortlich denken und handeln können – wenn man sie lässt.

Insider: Sind Unternehmen und Führungsmannschaften angesichts des technologischen Fortschritts gezwungen, ihre Sicht auf die Unternehmensorganisation zu überdenken?

Reinhard K. Sprenger: Für den beruflichen Aufstieg brauchen Mitarbeiter Biss, Talent, Fleiß, Durchsetzungsvermögen und Präsentationsfähigkeit; all das macht sie aber noch nicht zu guten Führungskräften. Denn unter informationstechnologisch demokratisierten Bedingungen gilt mehr denn je: nicht sich selbst, sondern andere zu Höchstleistungen zu führen. Und dazu bedarf es anderer Fähigkeiten als beim beruflichen Aufstieg. Ich verdeutliche das gerne am Bild des guten Gastgebers. Auf einem Fest sorgt er unauffällig dafür, dass alles gut läuft und ineinanderspielt. Er kümmert sich um die vielen kleinen Dinge, die das Fest zu einem Erfolg machen. Er ist aufmerksam für das, was sich zwischen den Gästen entwickelt, jenen einbeziehend, der bisher unbeachtet am Rande stand, schwierige Beziehungen charmant überbrückend. Gute Führungskräfte sorgen vor allem dafür, dass jeder in seiner besten Rolle zur Geltung kommt.

Insider: Wie stellen Sie sich die Unternehmensführung der Zukunft vor?

Reinhard K. Sprenger: Einfach, dezentral, kundenaufmerksam, horizontal gespannt – nicht vertikal.

Vielen Dank für das Gespräch!

Wir helfen Ihnen gerne.
Haben Sie Fragen?

  •  Angebot anfordern
  •  E-Mail an IBM
  •  oder rufen Sie uns an: 0800-4267947
    Nennen Sie diesen Code: 101CE12W

Veranstaltungskalender

Hier finden Sie die aktuellen Information Management Veranstaltungen.

Kompakt. Praxisnah. Interaktiv.

IBM BAO Academy

Die 45-minütigen IBM BAO Online-Seminare.

Das Insider-Team stellt sich vor.

Sie möchten die Gesichter hinter den Artikeln kennenlernen oder haben Fragen an die Redaktion?

Lesen Sie die gesamte aktuelle Ausgabe!

Facebook

Tagesaktuelle Informationen & Austausch mit den IBM Experten:

Abo abbestellen

Sie möchten Ihr Insider Abo abbestellen?