Big Data: Evolution oder Revolution?


Dr. Holger Kisker, Principal Analyst,
Forrester Research
Forrester-Analyst Kisker zu Big Data, neuen Technologien und Information Governance
Wo führt Big Data hin, was sind die wichtigsten Trends? Der Insider hat den Forrester-Analysten Holger Kisker gefragt. Kisker gehört zum Business Technology Futures Team bei Forrester und untersucht die mittel- bis langfristigen Auswirkungen neuer Informations- Technologien auf Unternehmen, deren Geschäftsprozesse und Strukturen.

Insider: Big Data ist ein Top-Thema – was ist aus Ihrer Sicht das Besondere daran?

Holger Kisker: Das Besondere ist die Möglichkeit, Daten nicht nur zu produzieren und zu verbreiten, sondern diese auch zu sammeln und zu analysieren. Bisher ließ sich nur ein Bruchteil der verfügbaren Informationen verwerten. Das hat sich geändert, die Informationsverarbeitung hat aufgeholt. Neue Technologien können heute Daten in riesigen Mengen und in kürzester Zeit sammeln, speichern, analysieren und für die geschäftliche Nutzung aufbereiten. Das öffnet plötzlich ganz neue Türen: Bislang unzugängliche Informationen lassen sich jetzt in betriebswirtschaftlichen Mehrwert verwandeln.

Insider: Wie hängen Technologie und Geschäft zusammen?

Holger Kisker: Der Paradigmenwechsel ist eine große Chance für CIOs und IT-Abteilungen, erfordert aber auch ein anspruchsvolles Change Management. Denn Fachabteilungen nutzen Technologien immer selbstverständlicher und nehmen Einfluss auf Technologie-Entscheidungen. Gleichzeitig wird der CIO zum Business Partner (nicht nur Zulieferer) innerhalb des Unternehmens – beide Seiten können von der engen Verzahnung erheblich profitieren.

Insider: Derzeit wird Hadoop-Technologie breit diskutiert. Ist Hadoop für alle Big-Data-Bereiche die erste Wahl?

Holger Kisker: Hadoop ist für viele Anwendungsszenarien eine wichtige Rahmentechnologie – beispielsweise, wenn es darauf ankommt, Daten verschiedener Formate schnell zu laden und parallel zu verarbeiten. Aber unter Big Data fallen auch andere Szenarien. Wir bei Forrester definieren Big Data anhand der vier Elemente Volume, Velocity, Variety und Variability. Erst die Kombination der Aspekte macht Big Data aus. Für unterschiedliche Kombinationen gibt es spezialisierte und damit besonders geeignete Technologien – oder salopp: Für jeden Datentopf gibt es einen passenden Deckel.

Insider: Welche Technologien sind noch wichtig?

Holger Kisker: Wenn historische Transaktionsdaten in hoher Geschwindigkeit analysiert werden sollen, dann bieten sich spezialisierte Appliance-Lösungen aus Hard- und Software an. Für viele Organisationen ist das der beste Ansatz, um die Datenmengen der betriebswirtschaftlichen Anwendungen in den Griff zu bekommen.

Wer es etwas schneller braucht, greift zu Appliance-Lösungen mit In-Memory-Datenbanken. Die meisten großen BI-Hersteller bieten solche Systeme an. Falls es darum geht, Daten in Echtzeit zu analysieren, sind Streaming-Technologien die erste Wahl.

Insider: Worauf sollten Anwender bei BI und Analytics im Big-Data-Umfeld achten?

Holger Kisker: Man sollte beim Einsatzbereich anfangen: Welchen Entscheidungsprozess will man mit bislang nicht verfügbaren Informationen verbessern? Welchen Mehrwert kann man erreichen? Als Nächstes sollte man schauen, welche Daten hierfür gebraucht werden. Woher kommen diese Daten? Wie groß ist das Volumen, mit welcher Geschwindigkeit fallen sie an und wie schnell müssen sie ausgewertet werden? Welche Struktur haben die Daten? Dann wird klar, welche Datenmanagement- Technologie die geeignete für das jeweilige Szenario ist. Die Daten an sich sind wertlos; wertvoll sind die Erkenntnisse, die man aus den Daten zieht. Ob Zustandsanalyse, Prozessoptimierung oder die Vorhersage des Marktes – jedes Einsatzfeld braucht verschiedene Tools, um Big Data in betriebswirtschaftlichen Nutzen umzuwandeln.

Insider: Welche Bedeutung hat Information Governance?

Holger Kisker: Ein sehr guter und wichtiger Punkt! Ohne Information Governance wird kein BI-Projekt langfristig erfolgreich sein. Es geht immer um Produkte, Personen und Prozesse. Die neueste Technologie führt nicht automatisch zum Erfolg, man muss die Fachabteilungen einbeziehen. Was helfen die tollsten Analysedaten, wenn keiner sie nutzt? Information Governance sichert das Vertrauen in die Daten und sollte Projekte von der Planung bis zur Umsetzung begleiten. Stimmt die Datenqualität nicht, stimmen auch die Analyse-Ergebnisse nicht.

Insider: Wagen wir einen Ausblick: Erleben wir eine Evolution oder eine Revolution?

Holger Kisker: Technisch gesehen ist Big Data eine Evolution, betriebswirtschaftlich allerdings sehe ich eine Revolution. Warum? Weil sich Geschäftsprozesse fundamental verändern. Nehmen sie die Energieversorger: Smart Meter und Grids sind ein Beispiel für Big Data und verändern eine ganze Branche. An die Stelle des statischen Geschäfts tritt ein neuer, kundenzentrischer Ansatz – dabei hatten manche Versorger das Kundenmanagement schon ausgelagert. Das bidirektionale Strom- und Informationsnetzwerk führt zu einer IT-getriebenen Revolution der Energieunternehmen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Wir helfen Ihnen gerne.
Haben Sie Fragen?

  •  Angebot anfordern
  •  E-Mail an IBM
  •  oder rufen Sie uns an: 0800-4267947
    Nennen Sie diesen Code: 101CE12W

Veranstaltungskalender

Hier finden Sie die aktuellen Information Management Veranstaltungen.

Kompakt. Praxisnah. Interaktiv.

IBM BAO Academy

Die 45-minütigen IBM BAO Online-Seminare.

Das Insider-Team stellt sich vor.

Sie möchten die Gesichter hinter den Artikeln kennenlernen oder haben Fragen an die Redaktion?

Lesen Sie die gesamte aktuelle Ausgabe!

Facebook

Tagesaktuelle Informationen & Austausch mit den IBM Experten:

Abo abbestellen

Sie möchten Ihr Insider Abo abbestellen?