BIG DATA. BIG STORIES


Insider Logo Ausgabe 03/2015

Schlauer als der Markt? – Big Data, Kapitalmärkte und der CFO.


Flash-Crash, Algotrader, systemische Finanzrisiken – diese Begriffe gehören zum Alltag von Dr. Monika Gehde-Trapp. Die Wirtschaftsmathematikern, BWL-Professorin an der Universität zu Köln und Forscherin am Centre for Financial Research (CFR) geht in ihrer wissenschaftlichen Arbeit Finanzmärkten, deren Wirkkräften und den Auswirkungen für Marktteilnehmer auf den Grund. Wie entsteht Liquidität und was bedeutet diese für Unternehmen? Sind Algotrader gefährlich? Wie bereichern Big Data die Finanzmarkt-Forschung? Auf was sollten sich CFOs einstellen? Der Insider hat Monika Gehde-Trapp gefragt.



Insider:

Monika Gehde-Trapp:
Welche Rolle spielen Daten – insbesondere Big Data – für die Kapitalmärkte und ihre Erforschung?
Aus meinen eigenen Bedürfnissen und Erfahrungen: Ich hatte oft den Wunsch, wichtige Informationen einfach sammeln, organisieren und mit anderen schnell teilen zu wollen. Aber das ging nicht. Zudem hat mich die Suche nach Informationen viel Zeit gekostet. Die gängigen Suchmaschinen liefern zwar oft mehrere Millionen Ergebnisse, aber selten die besten und relevantesten am Anfang.

Insider:
Monika Gehde-Trapp:
Was bedeutet Informationseffizienz in der Praxis?
Wenn Märkte wirklich effizient wären, müsste man überhaupt keine Informationen mehr sammeln. Die Preise würden ja alle Informationen bereits widerspiegeln, und nur echte Überraschungen – die niemand auch nur im Ansatz vorhersagen könnte – würden zu Preisänderungen führen. Somit wäre es zwar teuer, Informationen zu sammeln und auszuwerten, aber wertlos: einen Entscheidungsvorsprung bei Investitionsentscheidung können die Informationen aber gerade nicht liefern. Diese Extremposition gilt mittlerweile allerdings als überholt. Die wissenschaftliche Forschung ist sich heute einig, dass es diese „starke“ Informationseffizienz in der Realität – vor allem, wenn man kurzfristige Kursentwicklungen betrachtet – nicht gibt. Robert Shiller ist vielleicht der bekannteste Zweifler an der Effizienz der Märkte; das führt zu einer Neubewertung von Big Data – als Mittel der Erkenntnis und als technologische Innovation. Robert Shiller und Lars Peter Hansen haben übrigens zusammen mit Eugene Fama 2013 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften für ihre wissenschaftlichen Leistungenerhalten.

„Stellen Sie sich vor, Sie planen einen Börsengang. Vor allem Privatinvestoren werden Google nutzen, um sich vor diesem Börsengang über Ihre Firma zu informieren“,
sagt Dr. Monika Gehde-Trapp,, BWL-Professorin und Forscherin am Centre for Financial Research (CFR).

Insider:
Monika Gehde-Trapp:
Und wie sieht es heute aus? Führt Big Data zu Marktverwerfungen?
In dem Maß, in dem Big Data die Finanzmärkte verändert hat, spielen sie auch in der Forschung eine zunehmende Rolle. In meiner eigenen Arbeit beschäftige ich mich zum Beispiel mit der Liquidität von Aktien, die in elektronischen Systemen wie z. B. XETRA gehandelt werden. Unter welchen Bedingungen lassen sich die Titel handeln, wann sind die Preise verzerrt, wann gibt es gar keinen Markt mehr für die Titel? Hier beobachten wir vor allem zwei Effekte: Die technischen Innovationen haben auf der einen Seite zu niedrigeren Transaktionskosten, schnellerer Auftragsausführung und höherem Handelsvolumen geführt. Auf der anderen Seite beobachten wir aber häufiger Marktversagen – ein winziger Fehler kann sich in Windeseile zum ausgewachsenen „Flash Crash“ entwickeln. Erinnern Sie sich an den chaotischen Börsengang von Facebook? Damals waren die Rechner der NASDAQ nicht in der Lage, die enormen Ordervolumen abzuwickeln. Tausende von Aufträgen hingen stundenlang im System fest. Wegen der fehlenden Bestätigung schickten große Investoren ihre Order immer wieder los. Das hat die Kurse der Aktie zuerst nach oben schießen und dann in den Keller stürzen lassen – nicht nur ein riesiger Image-Verlust, sondern auch ein finanzielles Fiasko für die Börse.


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    pfeil Zu Foreign Affairs.