BIG DATA. BIG STORIES


Insider Logo Ausgabe 03/2015

Industrie 4.0: angekommen, in der Realität.


„d!conomy“, eine Kunstschöpfung aus „digital“ und „economy“, war das diesjährige Motto der CeBIT. „Integrated Industry: Join the network“ hieß es wenige Wochen später auf der Hannover Messe. Was die beiden Schwerpunkte voneinander unterscheidet? Wenig bis nichts. Nicht nur Bundeskanzlerin Angela Merkel sah bei der Eröffnung der weltgrößten IT-Messe im März zunehmend Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Veranstaltungen. Hier wie dort ging es um die digitale Transformation, die sich durch Industrie und Wirtschaft zieht. Auf beiden Veranstaltungen konnten Besucher in Ansätzen die intelligente Fabrik der Zukunft sehen, in der die Vision „Industrie 4.0“ Wirklichkeit wird.

Doch was ist „Industrie 4.0“ überhaupt? Kreiert hat den Begriff die Deutsche Akademie für Technikwissenschaften, vor vier Jahren tauchte er erstmals auf der Hannover Messe auf. Er sollte signalisieren, dass die Industrie nach der Dampfmaschine im 18. Jahrhundert (Industrie 1.0), dem Fließband zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts und schließlich der Automatisierung durch Elektronik Ende der 1960er Jahre vor einer weiteren einschneidenden Veränderung steht. Im Kern der Industrie 4.0 geht es darum, die virtuelle Welt der IT noch enger mit der realen Welt der Produktion zu verzahnen und die Produkte und Wertschöpfung in der Industrie noch stärker zu digitalisieren.

Dass die digitale Transformation derzeit in aller Munde ist, ist kein Wunder. Schließlich ist sie gerade dabei, sämtliche Industrien und Branchen umzukrempeln. Uber, Airbnb oder Carsharing-Angebote wie car2go sind Beispiele, die in diesem Zusammenhang gerne genannt werden. Doch mit diesen Beispielen ist noch lange nicht Schluss. Das zeigt unter anderem die Ende März bekannt gegebene Kooperation zwischen The Weather Company und IBM. Ziel der Zusammenarbeit: Die Echtzeit-Kombination von weltweit gesammelten Wetterdaten mit traditionellen Geschäftsdaten soll Unternehmen künftig helfen, ihre Entscheidungsfindung und operative Leistung zu verbessern.

„Die Gewinner der digitalen Transformation werden diejenigen sein, die Paradigmenwechsel im eigenen Unternehmen als Standard etablieren und immer wieder neue Geschäftsmodelle erschaffen“, sagt Andreas Harting, Partner bei Deloitte Digital.

Bundesregierung setzt auf Digitalisierung der Produktion
Auch die Politik hat die Zeichen der Zeit erkannt. So erklärte die Bundesregierung auf der Hannover Messe das Thema Industrie 4.0 zur Chefsache und unterstützt nun die „Plattform Industrie 4.0“ – ein Bündnis der Industrie, das bereits Vorarbeiten geleistet hat. Beteiligt an der Plattform Industrie 4.0 sind die Verbände des Maschinenbaus (VDMA), der Elektrotechnik (ZVEI), der Computer- und der Elektronikbranche (BITKOM). Arbeitsgruppen wollen bis zum Herbst die Themen Standardisierung, Forschung, Sicherheit sowie Recht, Arbeit, Aus- und Weiterbildung ausarbeiten und die Ergebnisse auf einem IT-Gipfel im November vorstellen.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel nutzte seinen Auftritt auf der Hannover Messe, um die versammelten Zuhörer zu beschwören: „Die Frage, wie wir in Deutschland künftig leben, arbeiten und produzieren, wird maßgeblich vom Prozess der Digitalisierung geprägt. Heute werden wichtige Grundlagen für den Wettlauf um die Produkte und die Märkte von morgen gelegt."

Digitalisierung führt zu „Winner-takes-it-all“-Effekt
Wie sehr die digitale Transformation die Wirtschaft bereits umkrempelt, hat der IT-Analyst Ray Wang untersucht. In seinem Blog für die Wirtschaftswoche schreibt Michael Kroker: „Laut Wang ist das digitale Zeitalter, angetrieben durch die Revolution bei Hardware, Software und das Internet, schon lange im vollen Gange – zumindest in den USA. Dort sind seit dem Jahr 2000 mehr als die Hälfte der umsatzstärksten Fortune-500-Firmen übernommen worden, in die Insolvenz gerutscht oder aus der Liste gefallen“.

Der Blick über den Ozean erklärt, warum auch BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf zum Auftakt der CeBIT in Hannover mahnte: „Die Bewältigung des digitalen Wandels ist die wichtigste Managementaufgabe unserer Zeit. Verändert sich das Geschäftsmodell infolge der Digitalisierung, muss sich das Unternehmen anpassen oder verschwindet früher oder später vom Markt.“


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