BIG DATA. BIG STORIES


Insider Logo Ausgabe 03/2015
Fünf Fragen an Doris Graf.

Fünf Fragen an Doris Graf.


„Ist das Lämpchen im Kühlschrank wirklich aus, wenn die Tür geschlossen ist?“

Ob Einkaufen, Geldabheben, Autofahren oder andere Tätigkeiten – überall entstehen Daten. Die Künstlerin Doris Graf sammelt diese digitalen Spuren und verwertet sie künstlerisch. So entstehen unter anderem digitale Porträts oder sogenannte Pikträts – eine Zusammensetzung der Begriffe „Piktogramm“ (Pik) und „Porträt“ (-trät). Hierfür trägt Graf Daten zu den Eigenschaften eines Menschen zusammen, sodass ein individuelles Abbild der jeweiligen Person entsteht. Ihre Arbeiten waren auf zahlreichen Ausstellungen zu sehen. Jüngst hat die Gesellschaft für Informatik e. V. (GI) Doris Graf als „digitalen Kopf“ gewürdigt, denn, so Laudator und GI-Präsident Peter Liggesmeyer: „Sie hinterfragt auf kreative Weise, wie Menschen, Unternehmen und Behörden mit persönlichen Daten im Alltag umgehen.“ Wie aber geht Doris Graf selbst mit Informationen um und wie trifft sie Entscheidungen? Der Insider hat die Daten-Künstlerin gefragt.



Insider:
Doris Graf:
Was bedeuten Informationen für Sie und wie informieren Sie sich?
Natürlich sind Informationen heute für unser tägliches Leben, unsere Kommunikation, für die Bewältigung des Alltags und für Zukunftsplanungen unabkömmlich. Zugleich ist eine Information immer nur Teilwissen über ein Ereignis, einen Tatbestand oder eine Person. Wir brauchen daher mehrere und vor allem verlässliche Quellen, denn nicht alle Informationen sind gute oder korrekte Informationen. Die Quelle einer Information müssen wir bei ihrer Beurteilung immer mitberücksichtigen. Um mich zu informieren, benutze ich daher sehr bewusst unterschiedliche Medien. Darunter befinden sich Sachbücher, Zeitschriften, Tageszeitungen, Radio – vor allem Deutschlandradio Kultur – und selbstverständlich recherchiere ich im Internet. Gerne besuche ich auch Vorträge.

Pascal Hesselmeier
„Aber es geht um mehr als Werbebotschaften. Es geht um die Steuerung des Lebens durch die Steuerung des Informationsflusses, der zunehmend von Algorithmen arrangiert wird und Menschen entindividualisiert. Persönliche Daten sind (Teil-)Kenntnisse über Menschen, gehören zu den jeweiligen Menschen und sollten nicht manipulierbar sein“,
sagt die Künstlerin Doris Graf.

Insider:

Doris Graf:
Was war in der letzten Zeit die wichtigste Information für Sie und wie haben Sie diese verwendet?
Die wohl wichtigste Information in letzter Zeit war: Das IW8 Stuttgart möchte nächstes Jahr meine Arbeit auf der Contemporary Istanbul und Biennale 2015 zeigen. Das hat mich dazu bewogen, noch im November zusammen mit dem IW8 die Vorbereitungen zu starten. Die Vorbereitungen in Istanbul zu „Ben, Istanbul“ sind schon abgeschlossen. Zeichnerisch untersuchen wir – analog zu den Kunstprojekten „Eu, Sao Paulo“, „Eu, Rio“ – die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit dem Stadtraum. 2015 wollen wir dann zwei bis drei Städte in Zeichnungen und Drucken auf der Istanbul-Biennale ausstellen.

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